Das Fliegen
Warum können Vögel fliegen
und wir Menschenkinder nicht!
Weil wir keine Flügel kriegen
oder liegt's am Startgewicht?
"Was macht's!" denkt sich der kluge Mensch
"soll der da oben flattern.
Ich bin eigentlich unbegrenzt
- kann bess'res mir ergattern!"
Er läßt seinen Geist erklingen
hört schon bald mit feinem Ton:
"Will's nicht in der Luft gelingen,
dann in and'rer Dimension."
"Wo reicht der Vogel denn schon hin,
zieht Tages-, Jahreskreise.
Die Zeit ist's, die ich mir gewinn
- hier schlag' ich meine Schneise!"
Spricht's und stürmt los, voll Kraft und Lust
läßt unter sich des Vogels Nest
riecht der Freiheit süßen Duft
spürt, daß er alleine ist.
Seine Schwingen zerschneiden Zeit
die Sekunden zittern
der Himmel streckt sich gähnend weit
droht ferne mit Gewittern.
Er sieht sich um und blickt zurück
auf kondensierten Zeitenstrahl
vom tiefen Land blinkt fernes Glück
das Fliegen wird ihm recht zur Qual.
Da bricht aus ihm verzweifelt Ruf:
"Wie lange soll ich dies erleiden!
Was kümmert's mich, was mich erschuf,
soll ich hier einsam bleiben?"
Unser Mensch, der wendet hier
senkt beruhigt den müden Arm.
"Gottlob bin ich auch ein Tier."
Denkt's und kehrt zurück zum Schwarm.
Wolfgang Alt, für Patricia, Dez. '99
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